User experience

Dark UX - Design zwischen Gut und Böse - Teil 1

Dark UX - Design zwischen Gut und Böse - Teil 1

UX Designer beschäftigen sich tagtäglich mit zwei Dingen, die unbestreitbar zusammengehören und doch vollkommen unterschiedlich in ihrer Intention sein können: dem Produkt und dem Nutzer. Sie sind der Bestandteil eines Teams, der sowohl die Prozesse innerhalb eines Produktes definieren kann wie auch die visuelle Darstellung und Funktionsweise.

Das Produkt ist dabei nicht als bunte Spielwiese zu verstehen – der Begriff „Design“ hat längst seine Bedeutung von reinem „schön machen“ verloren. Denn hier kommt der Nutzer als Faktor hinzu. Nicht nur ist es die die Aufgabe eines UX Designers, ein funktionelles Produkt mitzuentwickeln. Es sollte dabei den Nutzer in den Mittelpunkt stellen und die Auseinandersetzung mit dem Produkt zu einem Erlebnis machen.

Wir nutzen ausgewählte KPIs, suchen nach Ursachen für Probleme, die dem Nutzer im Weg stehen können und versuchen Geschäftsziele mit Nutzerzielen zu vereinbaren. Was passiert nun, wenn wir ein Produkt entwickeln, welches den Schein trägt, die Nutzerbedürfnisse zu befriedigen, letztendlich aber darauf ausgelegt ist, ihm auf jedmöglichem Wege bestimmte Aktionen aufzudrängen oder gar von Aktionen abzuhalten? In diesem Falle sprechen wir von Dark UX Design.

Die dunkle Seite der Macht

Dark UX (oder auch Dark Design Patterns) sind Methoden, welche die psychologischen Erkenntnisse zur Unterstützung einer guten User Experience gegen den Nutzer einsetzen. Man könnte sie als manipulative Oberflächen definieren, die vielen verschiedenen Formen vorkommen können. Sie führen den Nutzer evenntuell ans Ziel, dies allerdings über Umwege, die das gelernte Verhalten ausnutzen. Dark UX-Taktiken können auch eingesetzt werden, das Ziel des Nutzers durch ein eigenes vorgegebenes Ziel, von dem dieser nicht wusste, zu ersetzen. Eine solche Umleitung kann kurzfristig zum Business-Erfolg beitragen – langfristig schaden diese Methoden jedoch nachhaltig dem Image, sowohl durch Nutzerpropaganda als auch SearchEngine-Crawler.

Die Fragen, die sich ein UX-Designer bei solch ambivalenten Anforderungen nun stellt, könnten lauten: Wie bereit bin ich, über meine ethischen Grenzen zu gehen? Was steht für mich im Vordergrund? Die Geschäftsziele oder die Interessen des Nutzers? Dies wollen wir in unserer zweiteiligen Blogreihe untersuchen!

Dark Design hat nichts mit #000 zu tun…

Wie sieht Dark UX nun aus? Oftmals fällt die trügerische Oberflächengestaltung erst auf dem zweiten Blick auf.

Eine Methode wäre bspw. “Disguised Ads” (zu deutsch versteckte Werbung), welche genauso gestaltet sind wie Inhalte der gerade besuchten Seite. Stellen wir uns einen Blog vor, an dessen Beitragsende Links zu ähnlichen Beiträgen vermerkt sind. Unter oder auch zwischen einzelnen Beitragslinks sind nun Verlinkungen zu Inhalten anderer Websites, welche genauso in Styling und Aufbau (z.B. Teasergrafik plus Headline) mit der Gestaltung des Blog-Frontends identisch sind und vorgeben, Inhalte dessen zu sein. Auf diese Weise kann die werbende Seite zwar Klicks generieren, sorgt damit allerdings auch für Unmut beim Nutzer.

Eine weitere gängige, aber nicht weniger störende Methode ist “Bait & Switch”. Der Nutzer wird hier mit einer Funktion, einem Produkt oder Content angelockt, bevor diese unabhängig von ihm geändert werden. Dies findet sich häufig in Applikationen, die mit „kostenlos“ beworben werden, nach einer bestimmten Zeit allerdings kostenpflichtig werden (ohne eine Erinnerung). Dieser Umstand wird meist in unauffällig platzierten Sternchentexten beschrieben, auf die der Nutzer erst bei genauerem Hinsehen aufmerksam wird.

Sie sollten sich schämen!

Trotzige Antworten kommen nicht nur in schwierigen Beziehungen zwischen Menschen vor: Auch zwischen Produkt und Nutzer können trotzige, beschämende oder gar beleidigende Sätze fallen. Diese Form von “Confirmshaming” kommt besonders bei Entscheidungsmöglichkeiten über Abonnements oder Zusatzleistungen vor: Dem Nutzer wird eine Option angeboten, welche bewusst ablehnend oder negativ formuliert wird, um ihn dazu zu bewegen, vor Scham doch die andere Option zu wählen.

Beispiele hierfür wären Rabattaktionen für Newsletter-Anmeldungen, die per Overlay angeboten wären. Eine Option wäre, seine E-Mail-Adresse anzugeben und sich anzumelden, die andere Option ist das Ablehnen der Anmeldung. Diese Option wird in diesem Falle bspw. mit „No thanks, I don’t care about savings“ betitelt, zu deutsch: Nein danke, mir ist Sparen egal.

Confirmshaming kann allerdings noch weiter gehen, zum Beispiel wenn ein Layer den Nutzer nach Spenden fragt und die ablehnende Option mit „Ich möchte fortfahren, ohne euch zu unterstützen.“ betitelt wird. Ein Angebot für einen kostenlosen Mahlzeiten-Plan einer Rezeptseite können Sie auch gerne mit „Nein danke, ich mag kein leckeres Essen“ ablehnen, einem Newsletter über die richtige Nahrung für ihr Haustier gehen Sie mit „Nein, mir ist egal, was meine Katze frisst“ aus dem Weg. Ihr AdBlocker wird erkannt und die Seite fragt nach dessen Deaktivierung? Wählen Sie „Nein, ich bin ein A**** und bleibe auf dieser Seite mit blockierter Werbung.“

Welche weiteren Arten von Dark Design Patterns es noch gibt, und wie unser Ansatz ist, mit diesen umzugehen, erfahrt Ihr bald im zweiten Teil dieser Reihe.